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Dienstag, 01. Dezember 2020

Wasserstofftechnik in der BERN?

Ist Wasserstoff (H2) der Stoff aus dem die Träume sind, uns aus dem selbst angerichteten „Klimaschlamassel“ zu befreien und möglichst noch ohne unser gewohntes Leben ändern zu müssen? Und wenn nicht, lösen wir wenigstens mit ihm das Speicherproblem beim Umstieg auf Sonnen- und Windenergie?

Prof. Eberhard Schlücker hat zusammen mit seinen Kollegen Prof. Wolfgang Arlt und Prof. Peter Wasserscheid von der Universität Erlangen-Nürnberg und Dr. Daniel Teichmann (CEO Hydrogenious GmbH) Techniken des Umgangs mit diesem in der Natur nicht ungebunden vorkommendem Gas entwickelt und u. a. dafür einen Flüssigspeicher zur Einlagerung und (ungefährlichem) Transport entwickelt und patentiert. Auf Einladung von Technikvorstand Robert Endress hat Prof. Schlücker der BERN in kleinem Kreis den „Energieträger der Zukunft“ samt seiner Speicherlösung vorgestellt und auf konkrete Nutzanwendungen für Kläranlagen oder für ein energieautarkes Dorf als Idee verwiesen.
Prof. Schlücker ist Spezialist für Energiesystemtechnik, bettet die H2-Speichertechnik aber ein in das große Ganze mit den Merksätzen:

Strom kommt aus der Fläche (Wind, Sonne, Wasser, Biomasse). Diese ist begrenzt und auch für die Nahrungsmittelerzeugung und Erholung nötig, daher müssen wir sorgsam damit umgehen.
Das heißt, wir müssen (in gleicher Weise) Energie sparen, jede Energieform nutzen und Synergien in den Energiesystemen entwickeln.

Unter Kostenaspekten ist Energiesparen das Effizienteste, was wir machen können (auch, wenn wir den Umstieg schaffen und nur noch erneuerbare Energien nutzen).

Wasserstoff lässt sich aus Wasser per Elektrolyse unter hohen Energieverlusten aber nahezu klimaneutral gewinnen, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien (ihr weiterer Ausbau ist daher zwingend!) stammt. Der Nachteil: sehr geringe Dichte, der Vorteil: Speicherbarkeit, wobei es dafür eine geeignete Speichertechnologie braucht, die ihrerseits wieder einen breiten, umfassenden Einsatz ermöglicht. Das „Rezept“ dafür ist eine chemische Flüssigkeit (LOHC – Liquid-Organic-Hydrogen-Carrier), die das Gas aufnimmt und chemisch bindet (hydriert). Der Transport ist gefahrlos. Am Einsatzort wird das Gas herausgeholt (dehydriert) und zur direkten Nutzung oder zur (Wieder-) Umwandlung in Strom verwendet. Der LOHC -Speicher lässt dies alles zu, kann immer wieder neu beladen werden und bietet mit der Abwärme der Umwandlungsprozesse sogar zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten.

An einem Standort wie z.B. einer Kläranlage könnte der per Elektrolyse abgespaltene Sauerstoff den Klärprozess verbessern, die Abwärme der Schlammtrocknung dienen und in ein kommunales Wärmenetz eingespeist werden. Der eingespeicherte Wasserstoff könnte als flüssige Energie oder anderweitig verbraucht oder in Strom umgewandelt und verkauft werden.

Die Kläranlage als kleines, örtliches „Energiezentrum“? Das ließ auch die beiden Bürgermeister Norbert Heuser, Neuenstadt und Timo Natter, Langenbrettach aufhorchen, ihre Gemeinden sind jeweils Standort einer Sammelkläranlage.

Aber ist die Wasserstofftechnik überhaupt etwas für die BERN und solche relativ kleinen lokalen Nutzanwendungen und Energiezentren?
Prof. Schlücker bestätigt: Wasserstoff ermöglicht mit dieser Speichertechnik eine dezentrale Energieversorgung, die in den Händen der Bürger liegen kann. Eine solche Teilhabe am „eigenen Energiezentrum“ wird Menschen bewegen, sich für ein derartiges Energiesystem einzusetzen und es wirtschaftlich, effizient und nachhaltig selbst zu betreiben.
Ob so etwas im Raum Neuenstadt funktionieren kann, wäre noch herauszufinden. Immerhin gibt es mit der BERN schon eine allen Bürgern offen stehende „Energiefirma“, die gemeinsam mit den Kommunen und Stadtwerken ein solches Projekt angehen, die Standorteignung der Kläranlagen prüfen und sich ggf. um Fördermittel bemühen könnte.

Die BERN wird auch prüfen müssen, ob sie neben den Energieeinsparprojekten, der Bürgerstromvermarktung, dem dringend nötigen Ausbau der PV auf Dach- und Freiflächen zusätzlich noch die Wasserstofftechnik „stemmen“ kann und was das personell bedeutet. Lohnenswert erscheint ihr ein Einsatz allemal. Auch Prof. Dr. Schlücker hat seine Unterstützung gerne zugesagt. Seine Verbundenheit zu unserem Raum (er wohnt in Obersulm) und mit Robert Endress ist dabei ein großer Pluspunkt.
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