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Montag, 30. September 2019

10 Jahre BERN –Rückblick und Ausblick

Als die BERN im Jahr 2009 gegründet worden ist und gleich eine 1 MWp große PV-Anlage finanziert hat, wollten wir damit einen ersten Beitrag zur Energiewende leisten, dem weitere große Schritte folgen sollten. Ein Zeitziel hatten wir uns nicht gesetzt, aber ein Vielfaches der ersten Investition schien uns so notwendig wie machbar. Erreicht haben wir in 10 Jahren nicht mal eine Verdoppelung, sondern einen PV-Kapazitätszuwachs von beschämenden 1%/Jahr. Mit einem solchen Ausbau“tempo“ ist eine weitgehende Energiewende im Raum Neuenstadt Utopie.

Das gilt besonders mit einem Blick auf die noch größeren Utopisten: Die Fridays-for-Future-Bewegung fordert ein klimaneutrales Deutschland bis 2030, also in einem Zeitraum von 10 Jahren. Wow, da sehen wir alt aus. 

Aber nicht nur wir, leider. Die Fa. Solarcomplex, mit der wir einen Windpark im Südschwarzwald errichten wollen (der vor Gericht und blockiert ist), schreibt in ihrem Newsletter:

Die Forderungen der überwiegend jungen Menschen werden aus gutem Grund drängender, denn die Verheißung eines immerwährenden Wohlstands auf Basis fossiler Energien lässt sich nicht mehr halten. Der Raubbau an den Naturressourcen wird ihre Zukunft definitiv schwieriger und nicht (wie bei den Generationen zuvor) besser machen. Das haben sie erkannt und dagegen protestieren sie. 

An diesem Scheitelpunkt geraten auch die politischen Ideologien der jüngeren Vergangenheit massiv unter Druck. So fordern Vertreter des Liberalismus hartnäckig "Klimaschutz ohne Verbote" und verdrängen damit, dass die offensiv ausgelebte Freiheit von gerade mal zwei Generationen (seit etwa 1950) uns erst die Krise eingebrockt hat, in der wir uns heute kollektiv befinden 

Es ist sonnenklar (welch schöner Begriff), dass die Menschheit sich wird beschränken müssen. Entweder freiwillig, somit aus Einsicht und durch "Regeln". Ein Wort, das viel leichter akzeptiert wird als "Verbote". Oder unfreiwillig, durch eine anhaltende und schmerzvolle Anpassung an schwindende Lebensräume. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Die dicht besiedelten Küstenregionen werden vom steigenden Meeresspiegel bedrängt, die vermeintlich gemäßigten Klimazonen von der Ausbreitung der Wüsten (auch im Mittelmeerraum) und dort wo es sich noch einigermaßen gut leben lässt, kommen die vielen hin, die es "zuhause" nicht mehr aushalten. 

"Klimaschutz ohne Verbote" ist Eskapismus pur und erklärt die Leute für blöd. Würde man "Klimaschutz ohne Gesetze" sagen, würde der Blödsinn noch offensichtlicher. Selbstverständlich benötigt man in einer existentiellen Krise neue Regeln, neue Gesetze und auch Verbote.

Falsch verstandene Freiheitsliebe gefährdet die Freiheit vieler Menschen, die heute auf dem Planeten leben, und erst recht das Leben und die Freiheit künftiger Generationen. Sie meint in letzter Konsequenz die "Freiheit zum Untergang". Statt sich an dem Kampfbegriff der "Verbote" abzuarbeiten, sollten freiheitsliebende Menschen diskutieren, wie die neuen Regeln fürs kollektive Überleben aussehen sollen.

"Niemand fährt mit dem Auto schneller als 120 km/h", das ist so eine Regel. Noch dazu eine sehr vernünftige. Neben den damit verbundenen Einsparungen an Treibstoff und Treibhausgasen, neben der Reduktion an Unfällen und damit menschlichem Leid bringt sie eine zentrale Erkenntnis zum Ausdruck: Wir müssen uns beschränken und wir tun es freiwillig. 

Dem ist von der BERN nur hinzuzufügen: freiwillig und jetzt, nicht erst, wenn es zu spät ist.

Und wann ist es zu spät?

Wenn der Permafrostboden auftaut und die darin gebundenen riesigen Mengen an Methan freigesetzt werden. Der oberste Meter sei schon am Tauen oder aufgetaut. Dies bedeutet leider, dass die Klimawissenschaftler mit ihren Vorhersagen zur Entwicklung des Klimawandels Recht gehabt haben, nur mit einer nicht: er kommt noch schneller als erwartet.


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